06 September 2015

Unter uns..

Das Thema Flucht könnte aktueller nicht sein, wir alle sind in welcher Weise auch immer daran beteiligt. Manche sind aktiv in den Unterkünften, andere packen in den Spendensammelstellen an, geben ihre Spenden dort ab oder beteiligen sich in anderer Form. Während der letzten Monate war ich häufiger mit Geflüchteten in Kontakt, habe sie unterstützt, benötigte Spenden verteilt, mit ihnen gesprochen und sogar gefeiert.
Die Schicksale hinter der Flucht sind vielfältig und bleiben meist im Stillen verborgen. Was ist wirklich im Heimatstaat geschehen? Welche Torturen mussten auf dem Weg ins Zielland ertragen werden?

Jetzt ist alles so nah, viel näher als angenommen, direkt unter uns. Du stehst an der Anmeldung des örtlichen Krankenhauses und begleitest eine nahestehende Person, während neben dir Rettungssanitäter Flüchtlinge begleiten, die wegen schwerer Verletzungen durch Folter einem Arzt vorgestellt werden müssen. Grad angekommen in der Stadt, ohne ein Wort zu verstehen und zu wissen, dass sie im Krankenhaus sicher sind, stehen und sitzen sie dort, weinen oder schauen starr vor sich hin. Das ist einer dieser Momente in dem du diese Neubürger umarmen, sie willkommen heißen möchtest und einfach nur dankbar sein kannst, dass Folter dir bisher nur in der Völkerrechtsvorlesung und Geschichtsbüchern begegnet ist. Für kurze Zeit kannst du dich beherrschen, brichst jedoch vor der Tür in Tränen aus und weißt, dass dieser Moment dich gelehrt hat, dass es sich lohnt für Frieden, Freiheit und Menschenrechte zu kämpfen. Menschen zu schützen und ihnen die Chance zu geben in Sicherheit zu leben.

#refugeeswelcome #bloggerfuerfluechtlinge

Kommentare:

  1. Schön, das du hilfebedürftige Menschen ausfindig machen konntest. Dein Mitgefühl kann ich nachvollziehen und bin bei dir. Ein Großteil, eben hier in Dresden, flieht allerdings nicht vor dem Krieg, sondern in unsere Sozialsysteme. Meine Erfahrung.
    Für einen Kriegsflüchtling ist meine Empathie übrigens grenzenlos, danke für den Einblick.

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    1. Ich finde diese Einstellung mehr als gefährlich. Deiner Erfahrung nach? Als Sozialarbeiter, der mit Flüchtlingen arbeitet?
      In dieser aktuellen Flüchtlingskrise kommen - gerade aus Syrien - so viele Menschen, die vorher Akademiker, Ärzte, Angestellte waren mit ihren Familien in eine ungewisse Zukunft ohne Berufliche Perspektive. Sie verlieren alles und müssen sich dann mit Schein-differenzierten Aussagen, die aus angeblicher Erfahrung herrühren, abfinden. Die Menschen, die unser Sozialsystem belasten, das sind immer noch unsere eigenen Bürger, die in dieses Sozialsystem GEBOREN wurden - die meisten Flüchtlinge aus MEiNER Erfahrung wünschen sich arbeiten zu können. Spätestens dann, wenn das Trauma überwunden ist. Für Deutschland sind diese Menachen eine Chance!
      Wahrscheinlich sollte man solche Kommentare ignorieren, aber es macht mich einfach so wütend und fassungslos...

      Übrigens: Natürlich gibt es auch viele Wirtschaftsflüchtlinge. Das heißt aber nicht, das diese Menschen nicht vorhaben hier zu arbeiten. Aber warum bitte haben nur wir Deutschen das Privileg eines Sozialstaats verdient?

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    2. Das sehe ich genauso. Als Deutsche in die Bundesrepublik flüchteten, haben sie da tatsächlich "nur" die Freiheit vor dem Regime gesucht?
      Solange wir Geld investieren um Kriege und Krisen in anderen Staaten führen und entstehen zu lassen, müssen wir uns nicht wundern, wenn Menschen Frieden und Sicherheit bei uns suchen.
      Es sollte auch bedacht werden, dass die Flüchtlinge des Balkan immer Anspruch auf Prüfung des Fluchtgründe haben und immerhin 5 von 100 politisch verfolgt werden.
      Dass man an der derzeitigen Situation sehen kann, was Kapitalismus und auf Wirtschaftsliberalität aufgebaute Solidarität in Form der EU bringen, sollte uns klarmachen, dass auch unser sozial gesichertes Leben schnell fragil werden kann.

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  2. Oh Mann, so wahr. Wie glücklich können wir sein!

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  3. wie recht du hast! es ist so ein glück, in diesem land geboren zu sein!
    herzlichst, mano

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Danke und Ahoi!