25 Juni 2016

Spezialitätenkaffee - Makes the world go round..

Die Bereitschaft wesentlich mehr Geld für Kaffee zu zahlen als es der durchschnittliche (Super-)Marktpreis verlangt, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Der Kult um den Kaffee ist nicht minder Kanälen wie Instagram und Co zu verdanken. Doch Kaffee ist nicht gleich Kaffee. Im Einkaufsmarkt um die Ecke bezahlt man beispielsweise 4€ für die 500g Packung gemahlenen und in Alufolie eingeschweißten Kaffee vom Großröster. Die Bohnen vom italienischen Pendant sind da doch schon ein wenig teurer. Von den Kapseln mag ich gar nicht schreiben und verweise lieber direkt an Nic, die unter dem Aspekt Titel "Weniger Plastik im Meer" auch darüber ein paar Worte verfasst hat. Es gibt mittlerweile auch Alternativen, die meist an den Siegeln "Fair Trade" oder "Bio" zu erkennen sind. Doch ist fair gleich gut und ist gut gleich richtig? Im Endeffekt soll jeder Mensch selbst entscheiden, welchen Kaffee er kauft und trinken mag. 
Um jedoch dem "Ist doch eh alles Hipsterkram!"-Argument da draußen ein wenig Inhalt entgegenzusetzen, habe ich mich mit der Thematik von direktimportiertem Spezialitätenkaffee auseinandersetzt und an die Quelle begeben. Was schwafelt die denn da bitte schon wieder? Direktspezialität, waaas? 

Es mag vielen nicht entgangen sein, dass kleine Röstereien oder Cafés mit selbst gerösteten Bohnen aus dem Boden sprießen. In den großen Städten mehr, in den kleinen nur vereinzelt. Aber dahinter steckt in den meisten Fällen das, was man unter Spezialitätenkaffee versteht. Um euch nichts falsches zu erzählen, habe ich Kira, Inhaberin von Loppokaffeeexpress, einer Rösterei mit Café und Kaffeefahrrad auf den Kieler Wochenmärkten, ein paar Fragen gestellt: 


Magst du ein paar Worte über eure Erfolgsgeschichte von Café, Rösterei und Kaffeefahrrad erzählen?

Begonnen hat Alles im Jahr 2010. Axel war gerade mit dem Zivildienst fertig und hatte keine große Lust, ein Studium anzufangen. Stattdessen wollte er unser Hobby Kaffee zum Beruf machen und sich selbständig machen. Da wir keinen Kredit aufnehmen wollten, kauften wir ein günstiges Lastenrad und eine gebrauchte Maschine und mit einem Startkapital von etwas mehr als 1000€ konnten wir anfangen, unser Verständnis von gutem Kaffee nach Kiel zu bringen. Am Anfang habe ich noch nebenbei studiert, aber nachdem ich meinen Bachelor in der Tasche hatte, war klar, dass ich mich voll und ganz auf den Kaffee konzentrieren wollte. Über die Jahre sind wir dann immer weiter organisch gewachsen. Geröstet haben wir von Anfang an selbst, aber 2014 haben wir den Traum einer eigenen Rösterei erfüllen können und seitdem sind wir nicht nur auf den Wochenmärkten vertreten sondern haben auch ein Café im Grasweg in Kiel. 
Ihr importiert euren Rohkaffee direkt und ohne Zwischenhändler von Kaffeekooperativen in der ganzen Welt. Was ist der Vorteil zu Kaffee, der über Großhändler gehandelt wird? 

Von Anfang an wollten wir jeden Aspekt des Kaffees verstehen und nachvollziehen können. Deshalb haben wir schon früh angefangen, uns auch mit dem Ursprung des Rohkaffees intensiv zu beschäftigen. Der direkte Import von den Kooperativen vor Ort war deshalb nur konsequent für uns, weil so die größte Transparenz entsteht. Da wir im Vergleich eine kleine Rösterei sind, kann man da glücklicherweise mit Kollegen aus ganz Europa zusammenarbeiten, die eine ähnliche Philosophie vertreten und gemeinsam Importe organisieren. Durch den direkten Kontakt zu den Produzenten und Besuche der Kooperativen in den Ursprungsländern ist es möglich, ein Verständnis für die Probleme der Menschen dort zu bekommen. Die unglaubliche Arbeit, die die Farmer jeden Tag leisten, wird einem ganz anders bewusst. Zudem kann man so direkten Einfluss auf die Qualität nehmen und sehen, was man selbst tun kann, um den Produzenten zu noch besserer Qualität zu verhelfen. Ein weiterer großer Vorteil beim direkten Handel ist, dass das Geld, das wir bezahlen, direkt an die Kooperativen und somit an die Farmer geht. Es gibt keine Zwischenhändler, die sich eine goldene Nase verdienen können. Indem wir den Kaffee teilweise Monate vor der Ernte vorfinanzieren, entsteht eine Planungssicherheit bei den Farmern. Wir versuchen eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen und Vertrauen zu schaffen. Natürlich ist es weitaus bequemer, einfach beim Rohkaffeehändler anzurufen und Rohkaffee zu bestellen, aber trotz der Mehrarbeit und der möglichen Risiken, sind wir sehr glücklich mit diesem Konzept. Letztendlich profitieren davon alle! Wir, weil wir Transparenz, Qualität und direkte Einblicke bekommen und die Kooperativen, weil sie gute Preise für ihren Kaffee bekommen und ihre Arbeit direkte Wertschätzung erfährt.
© Loppokaffeeexpress
Ihr reist regelmäßig zu den Kooperativen vor Ort. Was sind eure Ansprüche an die Farmer, die Arbeitsbedingungen und vor allem an die Qualität der Kaffeebohnen?  

Jedes Land, dass ich bis jetzt bereist habe, war bis jetzt sehr unterschiedlich und auch der Kaffeeanbau und die Strukturen vor Ort waren sehr unterschiedlich. Eigentlich all unser direkt importierte Kaffee stammt von demokratisch organisierten Kooperativen, was uns schonmal sehr wichtig ist. In diesen Kooperativen sind meist hunderte bis tausende Kleinbauern organisiert, die dann gemeinsam profitieren können. Was uns natürlich immer interessiert ist dann, wie nachhaltig der Anbau vonstatten geht. Wie wird gedüngt, baut der Farmer auch andere Feldfrüchte an und wie gesund sind die Kaffeebäume und was tut der Kaffeebauer dafür? Gehen die Kinder zur Schule und wie sind die Lebensbedingungen? Was tut der Farmer vor Ort für die Qualität des Kaffees und wie erntet er? Nur die reifen Kirschen? 

Dann schauen wir uns auch die Orte an, wo der Kaffee gesammelt und weiter verarbeitet wird. Wie sind die Arbeitsabläufe hier und ist alles transparent und fair organisiert? Ein Blick in die Aufzeichnungen kann da manchmal sehr aufschlussreich sein. Häufig erkundigen wir uns dann noch, wie viele Frauen Mitglieder der Kooperative sind und wie viele im „Board of Directors“ vertreten sind. Bis jetzt habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen in den Kooperativen sehr offen mit uns umgehen und wir gute Einblicke bekommen konnten.
© Loppokaffeeexpress
Wie ist der höhere Preis gegenüber dem günstigen Preis im Supermarkt zu erklären?

Kaffee wir an der Börse gehandelt und der Kaffeepreis unterliegt damit großen Schwankungen, die nichts mit der Situation der Produzenten vor Ort zutun haben. Diese sind damit von einem Preis abhängig, der von der Finanzwelt und Spekulanten festgelegt wird und der nicht nachvollziehbar ist. Selbst der FairTrade-Preis orientiert sich an diesem Preis. Für biologisch angebauten FairTrade-Kaffee erhalten die Kooperativen 0,30$ mehr als den offiziellen Kaffeepreis, zusätzlich ist ein Mindestpreis festgelegt. Momentan liegt der Preis wieder relativ hoch, bei 1,37$ / lb, aber er kann auch schon mal auf unter 1$ sinken.

Wir bezahlen unseren Kaffee hingegen ganz losgelöst von diesem Kaffeepreis, denn er hat nichts mit den eigentlichen Kosten der Farmer und mit guter Bezahlung zu tun. Hinzu kommt, dass er auch nichts mit Qualität zu tun hat, welche für uns natürlich auch sehr wichtig ist. Wir zahlen meist um die 3 $ /lb bis 3,50$ /lb , teilweise aber auch mehr. Den Preis verhandeln wir direkt mit den Kooperativen, beide Seiten sollten zufrieden sein. Dann wird der Kaffee verschifft und landet nach ein paar Wochen bei uns in Kiel. Jeder folgende Arbeitsschritt ist Handarbeit, vom bekleben der Kaffeetüten, rösten des Kaffees und verpacken. All diese Faktoren führen natürlich zu einem deutlich höheren Preis, aber dafür stehen wir 100% hinter unserem Produkt und können die gesamte Geschichte dahinter erzählen.

Supermarktkaffee hingegen ist meist so billig wie möglich eingekauft und industriell verarbeitet. Ich denke, dass hier weder die Rohkaffeequalität noch die Belange der Kaffeefarmer eine Rolle spielen, sondern nur, dass der Kaffee jedes Jahr gleich schmeckt und das der Profit möglichst hoch ist. Meist ist nicht einmal nachzuvollziehen, aus welchen Ländern die verwendeten Kaffees stammen.
Bringen die höheren Preise denn lediglich den hippen Cafébesitzern etwas oder kommt das Geld auch den Menschen vor Ort zugute?

Bei Röstereien, die direkt gehandelten Kaffee anbieten, kann ich mir sehr sicher sein, dass die Menschen in den Ursprungsländern besonders direkt profitieren! Und es gibt natürlich auch gute Rohkaffeehändler, die sehr gute Arbeit in den Ursprungsländern leisten. Auch diese zahlen gute Preise an die Bauern vor Ort und fördern die nachhaltige Entwicklung der Strukturen. Um mit hippen Cafés und Röstereien reich zu werden, ist der Aufwand einfach zu groß. In der Spezialitätenkaffeebranche sind sehr viele Idealisten unterwegs.

Welchen Anspruch habt ihr an euch? Seid ihr eher Weltretter, knallharte Kaufleute oder Kaffeenerds?


Ich denke, wir sind einfach etwas verrückte Kaffeeliebhaber, die jeden Aspekt dieses Produkts durchdringen und verstehen wollen. Wenn man sich einmal eine Farm in Ecuador angeschaut hat oder einen Kaffeebauern in Äthiopien getroffen hat, verspürt man eine so große Hochachtung, dass man einfach versuchen will, seine Arbeit so gut wie möglich zu machen, von der Pflanze bis in die Tasse!
Was hat der Hipsterkult mit Spezialitätenkaffee zu tun?

Momentan hat man besonders in den Großstädten das Gefühl, dass Hipster und Third Wave Kaffee einfach zusammengehören. Ich denke aber, dass guter Kaffee kein Trend ist sondern eine konsequente Weiterentwicklung, die unbedingt notwendig ist. Es ist wohl so, dass das Stylische und Individuelle und die Möglichkeiten, rund um den Kaffee kreativ zu sein, junge, hippe Menschen anzieht. Wenn sie dann beginnen, sich mit der Materie zu beschäftigen und guten Kaffee trinken, kann ich aber nicht sehen, was daran schlecht sein sollte.
Vielen herzlichen Dank für den ausführlichen und wahrlich interessanten Einblick in die Welt des Kaffees, wie ihr ihn "lebt"! Sollte es euch einmal in die Kieler Wildnis verschlagen, schaut bei Loppokaffeeexpress vorbei und lasst euch von wirklich gutem Kaffee überzeugen. Die Böhnchen gibt es übrigens auch online zu erwerben und nein, es handelt sich nicht um Werbung, sondern einfach um den besten Kaffee der Stadt und drumrum.

Ran an die Kaffeemühlen und den Tag genossen. Habt es schön!

Kommentare:

  1. Danke für diese wichtigen Informationen! Wir versorgen uns auf ähnliche Weise mit unserem Tee von der Teekampagne. Auch sehr empfehlenswert!
    Bon week-end!
    Astrid

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  2. Danke für das tolle Interview - wir sind übrigens totale Spießer und finden solch Kaffee einfach gut :) Ich werde meinem Mann mal welchen bestellen. LG Nanne

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Danke und Ahoi!