31 Mai 2017

Glück kommt nicht von Idealen allein..

Durch Zufall habe ich das mittlere Bild vom Mai 2016 beim Durchscrollen im Handy gefunden. Ein Jahr ist das nun her und um ehrlich zu sein, waren da schon 10-15 Kilo runter. So viel wie jetzt noch zu meinem persönlichen Ziel fehlt. Ziele zu haben und sich diese vor Augen zu führen ist für mich persönlich sehr wichtig. Ob es der gesellschaftliche Druck ist, der mich dazu bewogen hat mich um mich, meinen Körper, die Gesundheit und damit auch um mein Gewicht zu kümmern? Nein, denn ich bin glückliche Besitzerin von Selbstbewusstsein und dem Wissen, dass Menschen mehr ausmacht als ihre Äußerlichkeiten, Followerzahlen oder teure Kleidung.
Bestätigung suche ich nicht online, sondern weiß mit anderen Vorzügen meiner Person, vor allem im realen Leben, zu überzeugen und einfach jemand zu sein, der Dinge für sich selbst und nicht “die da draußen” macht. Menschen, die mich kennen wissen das und schätzen es ebenso.

In den letzten Wochen spüre ich jedoch immer wieder ein gewisses Unbehagen in Gesprächen mit Freundinnen und beim Durchstöbern des Internets. In regelmäßigen Abständen kommt mir ein wenig Kotze hoch, wenn ich normalgewichtige Frauen sehe, wie sie vor allem online an sich rummäkeln und den Eindruck vermitteln Glück hängt von Kalorien zählen, Sport und Schlankheit ab. 

Mehr als traurig dieses Thema dann möglicherweise auf die eigenen Kinder zu übertragen und sei es nur, wenn sie bei der x-ten Instastory von Mama immer wieder hören, dass die Frau, das Vorbild, die große Liebe, vollkommen zerfressen und unglücklich ist, weil andere Menschen mit seltsamen Maßstäben um sich werfen. Ähnlich schlimm ist es als Übergewichtige auch, wenn normal- bis untergewichtige Frauen darüber schreiben, dass man sich selbst akzeptieren soll und wir Frauen uns gegenseitig ganz unbedingt stärken sollen. In diesen Momenten wünsche ich mir die versteckte Kamera, wenn eine stark übergewichtige Person im Café am Nebentisch Platz nimmt...
Bodyshaming ist einer dieser Begriffe, der natürlich im Zusammenhang mit dem Sport- und Diätwahn steht. Doch seien wir ehrlich. Steht eine dünne Frau neben uns, die vielleicht seit Jahren damit kämpft nicht am Rande der Magersucht zu stehen, wird abwertend geguckt und innerlich der Stempel “magersüchtig” aufs Stempelkissen gedrückt. In großen roten Lettern, selbstverständlich. Oder die Frau im Bus, die gut und gerne zwei Sitze benötigt und obendrein bei feinstem Sommerwetter ein wenig mehr schwitzt als Normalgewichtige es (in ihrer eigenen Vorstellung) tun. Kurz den Stempel gesucht und “fresssüchtig” aufs Papier gedrückt.

Meine Frage an euch: Erwischt ihr euch bei solchen Beurteilungen von Menschen? Wisst ihr was dahinter steckt? Stellt ihr euch die Frage, ob vielleicht ein unstetes Leben, Schicksalsschläge und andere Dinge dahinterstecken? Könnt ihr akzeptieren, dass es Vielfalt unter Menschen gibt und mehr zählt als der eigene Ponyhof im Kopf?

Für alle die etwas verändern wollen. Egal ob es ein paar Kilo mehr, einige Muskeln für den starken Rücken, eine große Gewichtsabnahme oder das Gleichbleiben sind, bleibt euch treu und zielt nie auf von Fremden gesetzte Maßstäbe ab. Diese unterstehen einem dauerhaften Wandel, der euch nur dazu treibt diesen hinterher zu rennen und das Leben des eigenen Glücks zu vergessen! Die Frage, ob ich mit weniger Gewicht glücklicher bin, wird mir häufig gestellt. Um ehrlich zu sein spüre ich keinen Glückslevelaufstieg, sondern genieße mein Leben und das dazugehörige Glück gleichermaßen.
 
Seid wie Ihr seid und lernt die Vielfalt zu akzeptieren..

Habt es gut! 

Kommentare:

  1. Du hast so Recht!
    Ich habe in Sachen Selbstliebe sicher noch meine Defizite, aber ich glaube ich bin schon viel besser geworden ;). Tatsächlich finde ich meist Frauen schön, die glücklich sind und Ausstrahlung haben anstatt "dünn" zu sein, die eigentlich immer mehr auf den Hüften haben als das gängige Schönheitsideal. Trotzdem setzt man bei sich selbst oft andere Maßstäbe. Ich habe im Gegensatz zu dir in den letzten Monaten zugenommen und tatsächlich seitdem viel mehr Komplimente bekommen, teils auch ganz direkt dafür. Und soll ich ehrlich sein? Manchmal hat mich das sogar gekränkt. Wie bescheuert, oder?
    Zwei Dinge aus deinem Artikel finde ich dabei besonders wichtig: Einmal, dass es andere Dinge im Leben sind, die uns glücklich machen und zum anderen, dass dieses ständige Thematisieren von "Figur-Themen" aufhören muss. Ich versuche mal, damit anzufangen ;)

    Das letzte Bild von dir ist einfach wunderschön!
    Liebe Grüße,
    Vera

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  2. Wow, das sind mal starke Worte, die natürlich oft von Dir kommen. Aber in diesem Zusammenhang habe ich sie noch nicht bei Dir gelesen. Toll, dass Du Dich hier soffen zeigst und eins noch: Das ist so so so springen wunderschönes Bild von Dir, das letzte.

    Liebe Grüße Schirin

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  3. Ich habe den Beitrag jetzt zum zweiten Mal gelesen und finde ihn einfach toll. Dass du so über dich und deinen Körper denkst, finde ich genial. Glückseligkeit unabhängig vom Körpervolumen. Ich bin da leider nicht mit so viel Selbstvertrauen ausgestattet. Aber ich werde besser. Versuche nicht immer die Kleidung so zu wählen, dass man den Bauchspeck ja nicht so wahrnimmt. Auch mal engere Kleidung tragen. Bei anderen finde ich das doch auch ok?!
    Und zu deiner Frage: Ich muss gestehen, bei sehr sehr kräftigen oder sehr sehr schlanken Frauen ertappe ich mich dabei, zu verurteilen. Ich denke dann, dass diese Extreme einfach nicht gesund sind. Aber ich schimpfe dann sofort innerlich mit mir. Weil ich ja nicht weiß, warum diese Menschen so aussehen. Was dahinter für eine Geschichte steckt. Und man NIEMALS nach dem Äußeren bewerten sollte.
    Alles Liebe für deinen weiteren Weg - egal ob mit mehr oder weniger Kilos. Liebste Grüße
    Eva

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Danke und Ahoi!